Trainingsstationen
„Vorbereitung auf die Berufsvorbereitung“
ist das Konzept der von REAVIS entwickelten
„Handwerklich – motorischen Trainingsstationen“.
Ursprünglich gedacht zum Einsatz ab Klasse 7 in der Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen.
Mittlerweile aber auch in anderen Schulformen eingesetzt.
Trainiert werden hier sechs übergreifende Bereiche berufsrelevanter Fähigkeiten und Fertigkeiten (im Folgenden als Faktoren bezeichnet).
Diese sechs Faktoren müssen nachweislich bei nahezu allen handwerklichen (Erwerbs-) Tätigkeiten beherrscht werden.
Je umfangreicher die Schülerinnen und Schüler diese Faktoren beherrschen, wenn sie mit der Berufsvorbereitung beginnen, desto erfolgreicher werden all diese Maßnahmen verlaufen.
Das intensive Training der Faktoren erfolgt an sechs Stationen, die wiederum verschiedene - im Schwierigkeitsgrad ansteigende - Aufgabenstellungen beinhalten.
Die messbaren Trainingseffekte und die Motivation der Schülerinnen und Schüler beim Training sind - in der Regel - verblüffend!
Die sechs Faktoren handwerklich-motorischer Fähigkeiten und Fertigkeiten
Statistisch gesichert lassen sich – neben individuellen Einzelfaktoren – mit einem Gesamtanteil von 56% sechs Faktoren festmachen, die bei nahezu allen handwerklichen (Erwerbs-)Tätigkeiten gefordert sind bzw. beherrscht werden müssen.
Zu diesen sechs Faktoren werden an sechs Trainingsstationen jeweils verschiedene, aufeinander aufbauende Trainingsaufgaben angeboten.
Häufiges Wiederholen einer überschaubaren Anzahl von Übungen sollte Vorrang haben vor vordergründig reizvollem, aber im Sinne des Trainingsgedankens uneffektivem Abwechselungsreichtum.
Die Trainingsaufgaben: Kurzbeschreibung
Faktor 1: Routine und Tempo
Schrauben, Unterlegscheiben und Muttern montieren, Karteikarten sortieren, Nähgarn in Nadelöhre einfädeln, Stickbilder anfertigen, Muster aus Bügelperlen stecken, Zahlen am PC sortieren
Faktor 2: Werkzeugeinsatz / Werkzeugsteuerung (einfach)
Freihandschneiden mit dem Schabloniermesser, Ausmalen mit Pinsel und Abtönfarbe, Nähen entlang vorgegebener Linien mit der elektr. Nähmaschine (ohne Faden), Aussägen vorgegebener Linien/Muster mit Dekupiersäge oder Laubsäge
Faktor 3: Wahrnehmung / Symmetrie
Freihandzeichnen entlang vorgegebener Linien, Spiegelungen, Texte eingeben am PC
Faktor 4: Werkzeugeinsatz / Werkzeugsteuerung (komplex)
Vorgegebenen Umriss aus Spanplatte feilen / raspeln, vorgegebene Form aus Schweißdraht am Schraubstock mit Hammer und Zange biegen
Faktor 5: Instruktionsverständnis und Umsetzung
Vorgegebene Baumuster aus Kupferfittingen / - rohren nachbauen,
Metall-Bausatz montieren
Faktor 6: Messgenauigkeit und Präzision
Maße schätzen, Maße ablesen, Maße zeichnen, Messen mit Stahlmaßstab, Messen mit Messlade, Zeichnen nach Koordinaten
Konzept / Einbindung in die Stundentafel / Schulprogramm
Als fester Bestandteil im Schulprogramm sind die Trainingsstationen seit 2004 hier im Einsatz.
Mittlerweile wird mit wöchentlich 2 U-Stunden pro Gruppe - beginnend in Jahrgangsstufe 7 – trainiert; erstmalig in SJ 2006/07 wird nach dem einjährigen „Ersttraining“ in Jahrgangsstufe 8 weiter trainiert.
Derzeit wird einerseits ein Katalog von Grundübungen erstellt, die wiederum in den Jahrgangsstufen 3 bis 6 auf die Trainingsstationen vorbereiten sollen.
Andererseits werden – neben den üblichen berufsvorbereitenden Maßnahmen ab Kl. 8 (Schülerfirmen, Praktika versch. Umfangs etc.), in denen die antrainierten Fähigkeiten zur Anwendung gelangen können – derzeit handwerkliche Arbeitsplatz-Module entwickelt, mit denen ab Jahrgangsstufe 8/9 Fertigkeiten in div. handwerklichen Gefachen erarbeitet werden können (z.B. Maler/Lackierer-Boxen, Zusamenarbeit mit Friedhofsgärtnerei etc.).
Räumliche Gestaltung / Lehrerstunden
Um die Trainingsstationen deutlich vom allgemeinen Klassenunterricht abzusetzen, findet das Training ausschließlich im Werkraum der Schule statt; hier herrscht „Arbeitsplatz-Atmosphäre“. Im „normalen“ Unterrichtsgeschehen gegebenenfalls tolerierte, störende Verhaltensweisen sind hier grundsätzlich nicht zugelasse
Die Gruppengröße variiert zwischen 6 und 14 Schüler/-innen.
Je nach personeller Situation wird das Training von einem oder zwei Lehrer/-innen geleitet.
Trainings- und Lerneffekte
Schon von Beginn an zeichnete sich eine starke intrinsische Motivation durch das ansprechende Material bei den Schülerinnen und Schülern ab.
Schülerinnen und Schüler, die anfangs eine geringe Ausdauer und Konzentration zeigten, steigerten diese nach wenigen Wochen enorm. Bei den Stationen zur Wahrnehmung und Symmetrie, Instruktionsverständnis und Umsetzung, sowie Routine und Tempo waren große Lerneffekte deutlich. Insgesamt verbessern die Schülerinnen und Schüler in einem Schuljahr eindeutig ihre handwerklich-motorischen Leistungen und ihre Arbeitstugenden.
Einen ausführlichen Prospekt zu den Trainingsstationen finden Sie hier:
www.reavis.de/uploads/media/Prospekt_Trainingsstationen-1.pdf
Hier das Titelbild und Text eines Artikels der Rheinischen Morgenpost zu den Trainingsstationen:
VON FRIEDER BLUHM
Wuppertal Das Material sieht aus, als sei gerade jemand vom Einkauf in einem Baumarkt zurück gekommen: Schrauben, Muttern, Unterlegscheiben, gerade und gekrümmte Kupferrohrstücke. Hinter diesem Sammelsurium steckt ein pädagogischer Ansatz. Und eine Vision.
"Wir wollen unseren Schülern Lebensfähigkeit vermitteln", sagen Thomas Wenning und Klaus-Peter Jung, die Initiatoren des Projektes, das die Vision sogar im Namen trägt: "Regionale Ausbildungs- und Arbeitsstellen Vision", kurz Reavis.
Die Chancen, dass Sonderschüler nach ihrer Schullaufbahn eine Arbeitsstelle finden, tendieren gegen Null, da machen sich beide Pädagogen keine Illusionen. Die Perspektive ist in der Tat bedrückend: Rund fünf Prozent aller schulpflichtigen Kinder besuchen die Sonderschule; fast immer, sagt Wenning, gibt es einen Zusammenhang zwischen Lernbehinderung und sozialem Umfeld. "Bei unseren Schülern spielen Noten auf dem Abschlusszeugnis keine Rolle", weiß Jung. "Der Besuch einer Sonderschule reicht, sie als ungeeignet zu stigmatisieren."
Falsche Schwerpunkte
Zu Unrecht, meinen die beiden Lehrer, die an der Kleestraße - einer Wuppertaler Schule für Lernbehinderte - unterrichten, "die Stärken unserer Schüler werden nur nicht erkannt". Die Erkenntnis, die Reavis vorausging: Gerade auch Sonderschulen neigen dazu, sich auf jene Qualifikationen zu konzentrieren, bei denen Lernbehinderte immer das Nachsehen haben - auf klassische Unterrichtsfächer wie Mathematik und Deutsch. Das sei auch richtig, sagt Jung. Nur komme spätestens im achten Schuljahr der Punkt, an dem keine verbesserten Resultate zu erzielen seien.
Auf der Strecke bleibt die Arbeit an Fähigkeiten, die später im Berufsleben viel stärker ins Gewicht fallen - Dinge wie Feinmotorik, Arbeitstempo, Konzentrationsvermögen. Dinge, die man trainieren kann. Je eher, desto besser. Unentdeckt - von Lehrern wie Schülern - bleiben Stärken, die für Arbeitgeber interessant sind: Verlässlichkeit.
"Es geht darum, diese Stärken zu erkennen und zu fördern", betont Jung. Berufsbezogene Praxisanteile in den Unterricht einzubeziehen sei effektiver als die mühsame Nachqualifizierung im Anschluss an die Schulzeit.
Für die Sonderschulen im Bergischen Städtedreieck - sechs sind es in Wuppertal, drei in Solingen, zwei in Remscheid - hat Reavis Kästen mit Materialien und Anweisungen für Übungen zusammengestellt, die an den Schulen in Kleingruppen trainiert werden können. Dazu gehört das Zusammenfügen von Kupferrohrstücken nach vorgegebenen Konstruktionen oder das Aufschrauben von Schraubenmuttern auf eine Reihe von Schrauben.
Übungen, die einfach scheinen, aber nicht für jeden sind. Erst recht nicht unetr Zeitdruck.
Kooperationspartner gesucht
Darüber hinaus bietet Reavis über ein Internetportal ein Informations- und Fortbildungsangebot für Sonderschullehrer. Die Vision:
Kooperationspartner in der Wirtschaft, um Schulwerkstätten auszurüsten und Praktika zu vermitteln. Das Ziel: Teilqualifikationen für anerkannte Ausbildungsberufe bereits in der Schule. "Unsere Schüler haben auch etwas zu bieten", ist Jung überzeugt. In seinen Augen keine Vision, sondern Tatsache.
Kontakt Schule an der Kleestraße
(Wuppertal), Tel. 0202 / 563 61 38;
im Internet: www.reavis.de



